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Stellungnahme zur laufenden Schulnetzdebatte

Grabfeld
Stellungnahme der Gemeinde Grabfeld zur laufenden Schulnetzdebatte

 

Beschluss des Gemeinderates vom 01.09.2026

 

Die seit dem Schuljahr 2013/14 bestehende und als damaliger Vorreiter in Südthüringen sehr erfolgreiche Thüringer Gemeinschaftsschule Grabfeld soll auf die Klassenstufen 1-10 erweitert und hierzu die Grundschulen Jüchsen und Behrungen ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt in die TGS integriert werden.  
 

Die 3 beteiligten Schulen zeigen sich sehr offen für diesen gemeinsamen Weg und wollen diesen nun konkret angehen. Als nächstes sollen zeitnah entsprechende Beratungen und Beschlüsse der Schulkonferenzen folgen. 
 

Mit einer Gemeinschaftsschule von 1-10 an zunächst 3 Standorten ergäben sich neben den pädagogischen und konzeptionellen Möglichkeiten erhebliche Vorteile für den Schulbetrieb beim Lehrereinsatz, Raumnutzung, Schulleitung, Schulverwaltung usw.

 

Zudem wird dem Ansatz des längeren gemeinsamen Lernens Rechnung getragen und für Schüler und Eltern entfällt die aufwendige und häufig schwierige Entscheidung über den Schulwechsel nach Klasse 4. 
 

Weiterhin würde eine dann mögliche Mitnutzung der Räume der bisherigen Grundschulstandorte für die Klassen 5 und 6 eine Entlastung für den Standort Bibra bedeuten. Hier müssen aktuell jedes Jahr Schüler wegen mangelnder Raumkapazitäten abgelehnt werden. 


Die Zahlen der Erstklässler an den Grundschulen Behrungen und Jüchsen sind bis zum Schuljahr 2030/31 unproblematisch. Nach einer Delle im Schuljahr 2031/32 steigen diese im Schuljahr 2032/2033 wieder an. Zudem kann mittel- und langfristig wieder von stärkeren Jahrgängen ausgegangen werden, da die Einwohnerstatistik nach schwachen Jahrgängen potentieller Mütter (Geburtenjahrgänge in den 90ern) ab den 2000er Jahren wieder stärkere Zahlen zeigt. 
 

Sollte in einzelnen Jahren die Mindestschülerzahl für die erste Klasse unterschritten werden, gibt es, auch nach pädagogischen Gesichtspunkten, die Möglichkeit des 
klassenübergreifenden Unterrichts. Dieses Modell ist in ganz Deutschland in ländlichen Räumen etabliert. Die Thüringer Verwaltungsvorschrift zur Organisation des Schuljahres sieht ausdrücklich die Variante eines klassenstufenübergreifenden Unterrichtes in der Schuleingangsphase der Grund- und Gemeinschaftsschulen vor.

 
Ein vorschnelles Schließen schwächt den ländlichen Raum nachhaltig. Eine Schule, die erstmal zu ist, wird nie wiederkommen. Der Landkreis sollte diese Standorte im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land als Infrastrukturanker erhalten und weiterentwickeln. Zudem sollte Bildung nicht ausschließlich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Schulen lassen sich insbesondere an kleinen Standorten häufig nicht allein betriebswirtschaftlich rechtfertigen. Sie rechnen sich jedoch langfristig gesamtgesellschaftlich: als Investition in Bildung, Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums. 


Ein weiterer Aspekt sind die Busfahrzeiten. Hier gilt der Grundsatz „kurze Beine, kurze Wege“. Aufgrund der ausgedehnten Flächenstruktur unserer Gemeinde können die maximalen gesetzlichen Fahrzeiten für Grundschüler nicht eingehalten werden, wenn man den Standort Behrungen oder Jüchsen aufgibt!  So wäre beispielhaft eine Fahrzeit von Exdorf/Obendorf nach Vachdorf oder Behrungen nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen. Die Aufgabe eines Standortes würde eine erhebliche Steigerung des Schülerverkehrs nach sich ziehen. Am Beispiel Jüchsen wird deutlich, dass alle Kinder aus unserem größten Ortsteil mit 1500 Einwohnern dann nicht mehr zur Schule laufen können, sondern zusätzlich auf den Bus angewiesen sind.  
 

Zudem sei angemerkt, dass die Schulgebäude in Behrungen, Bibra und Jüchsen in den letzten Jahren durch den Landkreis aufwendig saniert und erst kürzlich an allen 3 Standorten mit Fördermitteln hohe Summen in die Außenanlagen investiert wurden. Somit ist in den nächsten Jahren kein Investbedarf in die Schulgebäude erkennbar.  

 

Einen weiteren wichtigen Punkt bitten wir in der Diskussion zu beachten: 


Die Gemeinde Grabfeld als Flächengemeinde mit 13 Ortsteilen besteht seit 01.12.2007 (Beitritt Bauerbach 2012, Beitritt Wölfershausen 2019). Unsere Schulen haben durch das gemeinsame Lernen aller Kinder aus den Ortsteilen wesentlich zum Zusammenwachsen der Gemeinde und zur Entwicklung eines starken Gemeinschaftsgefühls beigetragen. Dies ist im ländlichen Raum, gerade bei der räumlichen Ausdehnung, äußerst wichtig. Nochmal besonders deutlich wird es am Namen unserer Gemeinschaftsschule! 
 

Lediglich der OT Bauerbach ist formal leider bisher nicht unseren Schulen zugeordnet, aber ein Großteil der Schüler besucht bewusst die TGS Grabfeld. 
 

Die öffentlich gewordenen Variantenbetrachtungen aus Kreisverwaltung und Bildungsausschuss hätten zur Folge, dass ein erheblicher Teil unserer Schüler nach 
Henneberg oder Vachdorf verlagert werden soll. Dies würde das Gemeinschaftsgefühl unserer Bürger und den erfolgreichen Prozess des Zusammenwachsens der letzten Jahre stark schädigen. Ebenso würde man dadurch die erfolgreiche Gemeinschaftsschule Grabfeld auf Dauer schwächen, da sich dann sehr wahrscheinlich Schülerströme verlagern. 

 

Aus unserer Sicht ist es deshalb ein sehr wichtiges Ziel, dass alle Schüler aus den Ortsteilen der Gemeinde Grabfeld gemeinsam und innerhalb der Gemeinde unterrichtet werden können. Gerade hierzu bietet das vorgeschlagene Modell einer erweiterten Gemeinschaftsschule Grabfeld die besten Chancen! 
 

Abschließend bitten wir die Mitglieder des Bildungsausschusses und des Kreistages sowie die Landrätin mit ihrer Kreisverwaltung, unsere Argumente im weiteren Diskussionsprozess zu berücksichtigen. Für einen offenen Dialog stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.